Krammer «Chronik»

125 Jahre Krammer

Chronik

1884 - Mit einem Plus fing alles an

Wir schreiben das Jahr 1884. In Washington DC fällt der Beschluss über die Zeitzonen, der Meridian von Greenwich wird internationaler Nullmeridian. In Berlin legt Kaiser Wilhelm I. den Grundstein für das Berliner Reichstagsgebäude, im Schloss Neuschwanstein stellt Bayernkönig Ludwig II. den „Palas" fertig. Und in Pfaffenhofen an der Ilm entschließen sich die Eheleute Ludwig und Augusta Krammer zum Kauf einer kleinen Metzgerei.

Der „Türlmetzger" von Jakob Reiter in der Türlgasse, der heutigen Frauenstraße, wird ihr neues Domizil. Und gleich am Start steht ein Plus. „Metzger & Koch" prangt auf dem Ladenschild. Beim Krammer lassen sich nicht nur Fleisch und Wurst erwerben, nein, die Chefin hält auch Warmes parat. Fleischsuppe gibt's. Und gesottenes Rindfleisch. Die Kundschaft dankt's mit regem und regelmäßigem Besuch. Der Anfang ist gemacht.

 


Um 1900 - Viehmärkte & Schmankerlküche

Nach der Jahrhundertwende beginnt auch in Pfaffenhofen die Zeit der Groß- und Kleinviehmärkte. In der Judengasse, der heutigen Löwenstraße, findet einmal in der Woche der Rindermarkt statt. Die Krammers, die wissen, wie hungrig das Handeln machen kann, nutzen ihre strategisch günstige Lage für das nächste Plus - und bauen die Wohnstube neben dem Metzgerladen in eine Einkehr für Bauern und Viehhändler um.

Dort können sich die Marktleute nach getanem Geschäft bei einer kühlen Halben Bier und frischen Weißwürsten entspannen. Ein Angebot, das sich schnell herumspricht. So wird die Einkehr zur Basis für das, was man später Imbiss nennen wird - und noch viel später... Schmankerlstüberl.

 


1918 - Das Plus von "oben"

Der Erste Weltkrieg wütet in Europa. Alle vier Krammer-Söhne, Georg, Ludwig, Hans (oben v.k.) und Josef (unten), müssen an die Front. Das Plus kommt dieses Mal von oben.

Keiner der vier wird im Krieg verwundet, 1918 kehren alle unversehrt zurück nach Pfaffenhofen. 1920 übernimmt Ludwig die elterliche Metzgerei, Georg wagt in Mindelheim eine Neugründung. Josef kümmert sich um die Landwirtschaft in der Türltorstraße, dort, wo heute die Metzgerei steht. Hans hat sich einem anderen Handwerk verschrieben. Er eröffnet in München eine Konditorei.

 


1930 - Der Kutter - Technik die begeistert

Das Geld ist knapp in den Nachkriegsjahren, an große Sprünge nicht zu denken. Nur mit Fleiß und Sparsamkeit überlebt die Metzgerei Krammer. Das nächste Plus kann sich Ludwig jun. (auf dem Hochzeitsbild mit Ehefrau Katharina) erst 1930 leisten. Die Maschine namens „Kutter" kommt einer Revolution im Fleischerhandwerk gleich.

Mit Hilfe des automatischen Fleischzerkleinerers und -Mischers lässt sich viel feineres Wurstbrät als bisher mit dem Fleischwolf herstellen. Die bald dazugekaufte Abfüllmaschine und die elektrischen Kühlaggregate machen einen modernen Produktionsbetrieb nach heutigem Verständnis erst möglich. Lyoner, Wiener, Regensburger, täglich frische Weißwürste - fast wöchentlich kommt ein neuer Artikel hinzu. Und die Kundschaft honoriert´s. 1932 beschäftigt die Metzgerei Krammer zwei Metzgergesellen, einen Lehrling und eine Ladenhilfe. Es geht aufwärts...

 


1939 bis 1945 - Kampf ums Überleben!

...und dann folgt die Katastrophe. Der Zweite Weltkrieg leert Pfaffenhofen, Männer werden an der Front gebraucht, auch Stammhalter Ludwig Krammer (oben rechts), geboren 1922, und die Gesellen müssen einrücken.

Nur durch den Einsatz des Seniorchefs, den Töchtern Sybilla (links) und Augusta und eines französischen Kriegsgefangengen, der der Metzgerei von der Stadtverwaltung zugeteilt wird, kann der Betrieb am Laufen gehalten werden. Das große Plus? Wieder ist es die unversehrte Heimkehr des Sohnes. 1947, nach zwei Jahren Kriegsgefangenschaft ist Ludwig zurück in Pfaffenhofen. Und er verschwendet keine Zeit. Der Meisterprüfung im August ´47 folgt die Übernahme des Geschäfts und zwei Jahre später die Hochzeit mit Maria, der jüngsten der drei Sperlhof-Töchter aus Reisgang. Die Kinder Ludwig (*2.11.1950) und Maria (*5.12.1952) machen das Glück komplett.

 


1959 - Kalter Krieg und kalte Theke

Eine technische Innovation ermöglicht das nächste Plus - und markiert den letzten großen Schritt hin zum modernen Fleischereibetrieb.

1959, im Zuge einer Komplettrenovierung der Metzgerei, wird im Geschäft in der Frauenstraße 3 auch eine gekühlte Fleisch- und Wursttheke installiert. Endlich ist es möglich, den Kunden von früh bis spät die gesamte Produktpalette zu präsentieren. „Das Auge isst mit" heißt es - ein wahrer Satz, der seinen Ausdruck im Umsatz und in der steigenden Zahl der Mitarbeiter findet.

 


1970 - Wir ziehen um!

„Zu klein!" Zwei Worte bestimmen den Alltag in der Metzgerei Krammer, als Sohn Ludwig 1967 seine Lehre beginnt. Zu kleiner Laden, zu kleiner Produktionsraum, zu kleine Küche, zu kleiner Kühlraum (im städtischen Schlachthof müssen zusätzliche Kühlzellen angemietet werden) - die Metzgerei platzt aus allen Nähten.

1970 steht der Entschluss, ein mutiges Plus: Wir ziehen um! Die landwirtschaftlichen Gebäude in der Türltorstraße werden abgerissen, eine neue, großzügige Metzgerei gebaut. Die Neuzeit ist eingeläutet.

 


1975 - Bauernstüberl vs. Imbissstube

Mittagstisch heißt das Zauberwort. Den Anstoß zum Thema Gastronomie, dem nächsten Plus, gibt 1975 die Aktion eines Gewürzlieferanten, der Spezialrezepte für Suppen und Eintöpfe anbietet, um das Fleisch & Wurst-Sortiment auf warme Speisen auszudehnen.

Bald lässt es sich beim Krammer schmackhaft und preiswert essen, den Kochkünsten der Seniorchefin, der „Mutter" (links im Bild beim Besuch von Staatsminister Dr. Hans Eisenmann), sei Dank. Aus dem bislang nur Dienstags beim Ferkelmarkt genutzten Bauernstüberl wird die Imbissstube, wo fortan auch Pfaffenhofens Büroszene gerne ihre Mittagspause verbringt.

 


Die 80er - Partytime und Partyservice

Die achtziger Jahre. Und wieder ein großes Plus. Aus dem herkömmlichen Plattenlieferdienst für Kommunionen, Geburtstagsfeiern, etc. entwickeln Ludwig (rechts neben Viehhändler-Legende Josef Furtmayr) und Heidi durch Weiterbildung in zahlreichen Seminaren einen Partyservice, der diesem Namen auch gerecht wird.

Geschirr, Getränke, Service-Personal für kalt-warme Buffets - der Krammer ist nach Metzger und Koch jetzt auch Dienstleister. Das Wachstumspotenzial des neuen Geschäftszweigs lässt sich nur erahnen. Gesamt-Mitarbeiterstand zum hundertjährigen Jubiläum 1984: 35.

 


1988 - Schwarze, Weisse, Wolnzacher

Das nächste Plus, die Filiale. Ein Jahr dauert der Umbau des Stiegler-Anwesens in der Klosterstraße, ab dem 8. Dezember 1988 gibt's den „Krammermetzger" auch in Wolnzach. Berührungsängste? Fehlanzeige. Die Zweigstelle im Herzen der Holledau wird von Beginn an blendend angenommen von den Wolnzachern (und nicht nur von denen). Heute beschäftigt das Geschäftsführer-Ehepaar Franz und Maria Reichhold 9 Mitarbeiter.


1992 bis heute

1992, 19 Jahre nach der Eröffnung der neuen Metzgerei, ist der Platz wieder zum knappen Gut geworden in der Türltorstraße 6. Ein neuer Laden wäre wünschenswert, zusätzliche Kühlräume sind Pflicht, eine größere Küche muss her, ein Raum zum Spülen, Anfahrtsrampen für die Lieferanten-LKWs... kurz gesagt: ein Befreiungsschlag aus Stein und Beton.

Im Oktober 1992 weiht Stadtpfarrer Anton Keller die neue Metzgerei Krammer ein, die nun auch architektonisch den Schritt zum Feinkost- und Gastronomiebetrieb vollziehen kann. Fisch plus Käse plus Nudeln plus - natürlich - Fleisch und Wurst - alles, was den Gourmet erfreut, gibt's beim Krammer zu kaufen. Und hinter den Kulissen sorgt der renommierte Küchenchef Dirk Ehler für die heißen Gaumenfreuden. Mitarbeiterstand 2009: 65. Das jüngste Plus findet sich in der Hohenwarter Straße, in den neugestalteten Räumen des ehemaligen Lebensmittelhändlers Neukam. Zusammen mit der Bäckerei Wiesender und Obst&Gemüse Pfab schafft die Metzgerei Krammer 2007 einen Kombiladen für den täglichen Qualitätseinkauf. Mehrmals täglich fährt der Krammer-Lieferwagen vor, Frische ist oberstes Gebot. Die nächsten Pläne? Juniorchef Martin Krammer ist mit Feuereifer dabei, den Betrieb in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. 125 Jahre - plus viele, viele mehr!